Wohnungsnot, Hunger und Entbehrung prägten die ersten Jahre nach Kriegsende. 4 Millionen zerstörte Wohnungen, 13 Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene – Deutschland musste bei null anfangen. Doch der Wille zum Neuanfang war ungebrochen. In dieser Ausstellung erleben Sie, wie die Menschen mit Erfindergeist und Improvisationstalent die Motorisierung wieder in Gang setzten: Fahrräder mit kleinen Hilfsmotoren, spartanische Dreiradwägelchen und die ersten Mopeds wurden zu Symbolen der Hoffnung. Entdecken Sie, wie aus einfachsten Mitteln Mobilität entstand und wie die Deutschen mit Kreativität und Ausdauer den Grundstein für das kommende Wirtschaftswunder legten.
Das Jahr 1945 ist eigentlich noch kein Neubeginn. Rund 14 Millionen Flüchtlinge befinden sich im Land. Die Städte sind schwer zerstört, Wohnraum ist knapp. Durch Luftangriffe herrschen katastrophale Wohnverhältnisse, die Behörden greifen mit angeordneter Wohnraumbewirtschaftung ein – ungeliebt, aber notwendig.
Für Privatpersonen gibt es kein Benzin. Die Zonenwirtschaft und ein faktisches Reiseverbot bestimmen den Alltag. Wer reisen will, benötigt einen Passierschein. Eine wichtige Hilfe kommt aus den USA: das CARE-Paket, das vielen Menschen erstmals wieder Hoffnung gibt.
Alltagsgegenstände entstehen aus Kriegsresten: Gasmaske wird zur Kaffeekanne, Granathülse zum Feuerzeug. Improvisation ist überlebenswichtig.
Hilfsmotoren für Fahrräder gibt es noch nicht. Gefahren wird auf Vorkriegsfahrrädern, oft mit Notbereifung – neue Reifen sind nicht erhältlich. Es herrscht ein enormer Mangel an Nahrung, Kleidung und Brennmaterial.
Der Schwarzmarkt blüht. Die wichtigste Währung ist nicht Geld, sondern die US-Zigarette. Mobilität bedeutet vor allem: zu Fuß gehen oder treten.
Der Nahrungsmittelmangel verschärft sich weiter. Einkäufe sind nur mit Lebensmittelmarken möglich. Kleidung, Schuhe und Haushaltsgegenstände gibt es – wenn überhaupt – nur gegen Bezugsschein.
Von industrieller Erholung ist noch nichts zu spüren. Neuentwicklungen fehlen fast vollständig. Eine der wenigen Ausnahmen bildet der REX-Fahrradhilfsmotor FM 31, der erstmals wieder einen Hauch motorisierter Mobilität ermöglicht.
Mit der Währungsreform geschieht scheinbar über Nacht ein Wunder: Die Schaufenster sind plötzlich voll. Doch Mobilität bleibt schwierig. Für längere Strecken steht praktisch nur die Eisenbahn zur Verfügung.
Fahrradhilfsmotoren sind nun grundsätzlich wieder für Privatpersonen erhältlich, wenn auch nur in kleiner Zahl. Die Pkw-Produktion setzt zögerlich ein. Vor allem Volkswagen und Mercedes-Benz gehen voran, doch ein eigenes Auto bleibt für die breite Bevölkerung weiterhin unerreichbar.
Die motorisierte Mobilität bleibt selten und kostbar. Dennoch ist ein vorsichtiger Aufbruch spürbar: Industrie und Handwerk stabilisieren sich langsam, neue Strukturen entstehen.
Mit Konrad Adenauer und Ludwig Erhard nimmt die junge Bundesrepublik politisch wie wirtschaftlich Kurs auf Stabilität. Der Grundstein für den späteren Aufschwung ist gelegt – auch wenn Mobilität noch immer kein selbstverständlicher Teil des Alltags ist.
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In den unmittelbaren Nachkriegsjahren war Benzin für Privatpersonen praktisch nicht verfügbar. Eine der wenigen Alternativen stellte der Holzgasbetrieb dar. Dabei wurde aus Holz durch kontrollierte Vergasung ein brennbares Gas erzeugt, das den Motor antreiben konnte. Diese Technik war nicht neu, erlebte aber in Zeiten größter Knappheit eine kurze Renaissance.
Der Betrieb eines Holzvergasers verlangte Geduld. Vor Fahrtbeginn musste das Fahrzeug im Stand über längere Zeit eingeheizt werden, bis ausreichend Gas zur Verfügung stand. Erst dann konnte die Fahrt beginnen – ein klassisches „Warmfahren“ des Motors war anschließend nicht mehr nötig. Der Aufwand war groß, die Nutzung umständlich.
Technisch brachte der Holzgasbetrieb deutliche Einschränkungen mit sich. Die Motorleistung sank auf etwa die Hälfte. Besonders an Steigungen wurde das zum Problem. Findige Fahrer halfen sich mit ungewöhnlichen Methoden: Sie drehten das Fahrzeug um und fuhren rückwärts den Berg hinauf, da der Rückwärtsgang oft kürzer übersetzt war und mehr Kraft bot.
Während Holzvergaser bei Pkw eher selten blieben, waren sie bei Lastkraftwagen deutlich weiter verbreitet. Dort konnte der Platzbedarf besser untergebracht werden, und der hohe Verbrauch ließ sich eher rechtfertigen.
Fun Fact: Eine Fahrt mit dem Holzvergaser begann oft lange vor dem Losfahren – erst musste Feuer gemacht werden, dann kam das Gas.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs standen rund 800.000 Kriegsinvaliden vor einer zentralen Herausforderung: der Fortbewegung im Alltag. Viele von ihnen waren auf Hilfe angewiesen, doch öffentliche Verkehrsmittel waren überlastet oder kaum erreichbar. Der Bedarf an individuellen Mobilitätslösungen war enorm.
Eine Antwort darauf waren dreirädrige Invalidenfahrzeuge, meist mit Handbetrieb oder mit einem zuschaltbaren Motorradmotor. Diese Fahrzeuge ermöglichten erstmals wieder eine gewisse Selbstständigkeit. Allerdings boten sie keinen Wetterschutz. Regen, Kälte und Wind gehörten zum Alltag der Fahrer. Genau diese Einschränkung wurde später zum Auslöser für weiterentwickelte Konzepte – etwa den Messerschmitt Kabinenroller, der Schutz und Mobilität miteinander verband.
Der Handbetrieb bedeutete keineswegs geringe Anstrengung. Im Gegenteil: Die Fortbewegung erforderte erhebliche körperliche Kraft, besonders auf längeren Strecken oder bei Steigungen. Mobilität war möglich, aber anstrengend – und stets ein Kampf gegen die eigenen Grenzen.
Da viele Fahrer zusätzlich auf Unterstützung angewiesen waren, sahen manche Fahrzeuge einen Platz für eine Begleitperson vor. Dieser befand sich häufig hinten, schlicht und offen – im Volksmund nicht selten als „Schwiegermuttersitz“ bezeichnet.
Randnotiz: Der sogenannte „Schwiegermuttersitz“ war oft unbequemer als der Fahrerplatz – half aber, überhaupt gemeinsam unterwegs zu sein.

In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war die Lebensmittelversorgung in den Städten äußerst kritisch. Viele Menschen waren auf zusätzliche Nahrungsquellen angewiesen, um überhaupt überleben zu können. Die Fahrt aufs Land zu Bauern wurde zur lebensnotwendigen Unternehmung – bekannt als Hamsterfahrt.
Diese Fahrten erfolgten entweder mit der Eisenbahn oder mit dem Fahrrad. Autos spielten kaum eine Rolle: Benzin war für Privatpersonen nicht erhältlich. Die Fahrräder selbst waren oft notdürftig instand gehalten. Häufig fuhren sie mit Notbereifung, bestehend aus vielen kleinen Gummiringen, die aus alten Autoreifen geschnitten und auf einen Draht gezogen wurden. Komfort oder Sicherheit standen dabei nicht im Vordergrund – entscheidend war, überhaupt voranzukommen.
Bezahlt wurde auf dem Land nicht mit Geld. Die Reichsmark war praktisch wertlos. Stattdessen herrschte reiner Tauschhandel. Schmuck, Uhren, Teppiche oder andere persönliche Wertgegenstände wurden gegen Lebensmittel eingetauscht. Viele Familien trennten sich dabei von ihren letzten Besitztümern, um Nahrung zu erhalten.
Fun Fact: Hamsterfahrten dauerten oft mehrere Tage – der Rückweg mit Lebensmitteln war meist der anstrengendste Teil.

Der Goliath GD 750 steht exemplarisch für die pragmatische Nutzmobilität der frühen Nachkriegsjahre. Als dreirädriger Kleintransporter richtete er sich nicht an Privatpersonen, sondern an Handwerker, Händler und kleine Betriebe, die dringend ein günstiges und funktionierendes Transportmittel benötigten.
Die Transportsituation war in dieser Zeit besonders kritisch. Durch Kriegsverluste fehlten Lastkraftwagen in großer Zahl. Notlösungen prägten den Alltag: Bei überlebenden Pkw wurde die Karosserie hinter dem Fahrerraum abgeschnitten und durch eine Pritsche ersetzt – sogenannte Behelfslieferwagen. Auch Motorräder wurden zu Dreirädern umgebaut, indem man hinter dem Fahrer eine Ladefläche montierte.
Eine deutlich bessere Lösung boten die Lastendreiräder von Tempo und Goliath. Der GD 750 war genau für diese Aufgabe konstruiert. Mit seiner einfachen, robusten Technik, Frontantrieb und Zweitaktmotor war er leicht zu warten und sparsam im Betrieb. Trotz einer Leistung von nur rund 10 PS konnte er Lasten bis zu einer halben Tonne bewegen – am Berg oft im Schritttempo, aber zuverlässig.
Der Goliath GD 750 wurde vielseitig eingesetzt: als Lieferfahrzeug für Bäcker und Händler, als mobile Werkstatt oder Verkaufswagen. Komfort spielte keine Rolle. Entscheidend war, dass Waren transportiert, Geschäfte versorgt und Existenzen gesichert werden konnten.
Fun Fact: Mit nur etwa 10 PS bewegte der Goliath GD 750 Lasten, für die heute ein kleiner Lkw eingesetzt würde – wenn auch deutlich langsamer.

Die Motorisierung des Fahrrads gehört zu den kreativsten Kapiteln der frühen Nachkriegszeit. Ingenieure und Bastler suchten nach Lösungen, wie sich ein Fahrrad möglichst einfach mit einem Motor ausstatten ließ. Dabei entstanden erstaunlich viele Varianten: Der Motor wurde am Lenker, unter dem Tretlager, seitlich am Hinterrad, auf dem Gepäckträger oder sogar direkt im Rad montiert. Jede Position hatte Vor- und Nachteile – ein einheitlicher Standard existierte nicht.
Technisch waren Fahrradhilfsmotoren äußerst genügsam. Der Kraftstoffverbrauch lag bei etwa 1,5 Litern auf 100 Kilometer, die Leistung bei rund einem halben PS. Damit war keine sportliche Fortbewegung möglich, aber eine spürbare Entlastung gegenüber dem reinen Treten – besonders auf längeren Strecken.
Der Weg zum motorisierten Fahrrad war oft ein persönliches Projekt. Den Hilfsmotor kaufte man beim Fahrradhändler und montierte ihn anschließend selbst am eigenen Rad. Improvisation gehörte dazu, ebenso handwerkliches Geschick. Doch bei aller Ingenieurskunst zeigte sich schnell eine Grenze: Das klassische Fahrrad war nicht für den dauerhaften Motorbetrieb ausgelegt. Rahmen, Bremsen und Bereifung waren den neuen Belastungen oft nicht gewachsen.
Erst mit dem leicht abgewandelten Moped, speziell für den Motorbetrieb konstruiert, entstand eine dauerhaft praktikable Lösung. Die Fahrräder mit Hilfsmotor bleiben dennoch ein wichtiges Bindeglied zwischen Muskelkraft und Motor.
Fun Fact: Viele Fahrräder mit Hilfsmotor waren schneller montiert als repariert – und jedes sah ein wenig anders aus.

Die Horex Regina gehörte in den frühen 1950er-Jahren zum Feinsten, was der deutsche Motorradbau hervorbrachte. Sie war kein reines Alltagsfahrzeug, sondern ein Motorrad für den gehobenen Anspruch – für Fahrer, die Wert auf Qualität, Leistung und Fahrkultur legten. Die Regina stand für Freizeit, Selbstbewusstsein und technischen Anspruch in einer Zeit, in der Mobilität wieder mehr sein durfte als bloße Notwendigkeit.
Mit ihrem laufruhigen Viertaktmotor und der hochwertigen Verarbeitung galt die Horex Regina als besonders langlebig und souverän. Sie war kein Produkt der Improvisation, sondern Ausdruck eines wiedererstarkenden Industrie- und Ingenieurswesens. Wer eine Regina fuhr, entschied sich bewusst für Qualität – und für ein Motorrad, das sich deutlich von der Masse abhob.
Die Horex Regina war damit fast schon ein Mythos: leistungsstark, zuverlässig und elegant. Sie eignete sich hervorragend für längere Ausfahrten und genussvolles Reisen auf zwei Rädern. Nicht zufällig genoss Horex einen exzellenten Ruf bei Motorradfahrern, die mehr suchten als reine Zweckmobilität.
Umso tragischer ist der Blick zurück: Der deutsche Motorradbau endete in vielen Fällen kurz bevor die große Freizeitwelle begann. Genau diesen Markt besetzten später die japanischen Hersteller mit leistungsstarken, modernen Maschinen. Die Horex Regina markiert damit einen Höhepunkt – und zugleich einen Abschied.
Fun Fact: Der Name „Regina“ bedeutet „Königin“ – und viele Motorradfahrer betrachteten sie genau so.

Das Fuldamobil N-2 ist ein typischer Kleinstwagen der frühen 1950er-Jahre – und zugleich ein erstaunlich mutiges Leichtbau-Experiment. Entwickelt wurde es nicht von einem großen Automobilkonzern, sondern von einem Bosch-Großhändler aus Fulda, der den Schritt in den Fahrzeugbau wagte. Dieser unternehmerische Mut prägte die gesamte Geschichte des Fuldamobils.
Das N-2 wurde ab 1952 als Nachfolger des N-1 gebaut und bis 1955 produziert. In der geschlossenen Ausführung bot es Platz für 2+2 Personen, der Roadster war als Zweisitzer konzipiert. Charakteristisch war die dreirädrige Konstruktion, die trotz ihrer ungewöhnlichen Form als erstaunlich kippsicher galt. Zeitgenössische Testberichte lobten vor allem den Wetterschutz – ein entscheidender Vorteil gegenüber Motorrad und Motorroller.
Besonders auffällig ist die Karosserie: Auf ein Holzgerippe wurde gehämmertes Aluminiumblech aufgebracht. Die frühen Fahrzeuge blieben zunächst unlackiert, was dem N-2 den Spitznamen „Silberfloh“ einbrachte. Erst ab dem Frühjahr 1953 war eine Lackierung gegen Aufpreis erhältlich.
Angetrieben wurde das Fuldamobil N-2 von einem luftgekühlten Einzylinder-Zweitaktmotor von Sachs (359 cm³, 9,5 PS). Der Motor saß vor dem einzelnen Hinterrad und trieb dieses per Kette an. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei etwa 80 km/h – ausreichend für die damaligen Verkehrsverhältnisse.
Bemerkenswert ist die Kontinuität: Fuldamobile wurden in unterschiedlichsten Ausführungen rund 20 Jahre lang gebaut. Das N-2 steht damit nicht nur für Improvisation, sondern für eine überraschend langlebige Idee.
Fun Fact: Die zeitgenössische Presse bezeichnete das Fuldamobil als „kippsicheres Dreirad mit Wetterschutz“ – ein großes Kompliment in einer Zeit voller skeptischer Blicke auf Dreiräder.

Der Kleinschnittger F 125 steht für eine besonders konsequente Form der Mobilität in den frühen 1950er-Jahren. Entwickelt von Paul Kleinschnittger, folgte das Fahrzeug einem klaren Grundsatz: so wenig Technik wie möglich, so viel Nutzen wie nötig. Das Ergebnis war eines der leichtesten Automobile seiner Zeit.
Das kleine Zweisitzer-Wägelchen wog nur rund 150 Kilogramm – möglich durch eine Aluminiumkarosserie, die damals eine echte Pioniertat darstellte. Auch sonst war der F 125 ungewöhnlich konsequent reduziert: Er besaß keine Türen und keinen Rückwärtsgang. Zum Rangieren konnte man ihn schlicht anheben oder drehen. Diese Einfachheit war kein Mangel, sondern Teil des Konzepts.
Der Zweitaktmotor leistete lediglich 5,4 PS, ermöglichte aber dennoch erstaunliche Fahrleistungen. 70 km/h, teilweise sogar bis zu 80 km/h, waren erreichbar – ein beachtlicher Wert für ein Fahrzeug dieser Größe und Leistungsklasse. Der geringe Verbrauch und der minimale Materialeinsatz machten den F 125 besonders attraktiv in einer Zeit knapper Ressourcen.
So ungewöhnlich war das Fahrzeug, dass bei der Typenabnahme zunächst Zweifel bestanden. Die Prüfer mussten erst davon überzeugt werden, dass es sich nicht um ein Spielzeugauto, sondern um ein vollwertiges Kraftfahrzeug handelte. Diese Episode unterstreicht, wie weit der Kleinschnittger F 125 seiner Zeit voraus war.
In den Aufbaujahren bot er vielen Menschen einen realistischen Einstieg ins Autofahren – günstiger als klassische Pkw, einfacher als jede Alternative und dennoch wettergeschützt.
Fun Fact: Der Kleinschnittger F 125 war so leicht, dass sein fehlender Rückwärtsgang im Alltag kaum als Nachteil empfunden wurde.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war Mobilität untrennbar mit Reparieren verbunden. Neue Fahrzeuge waren selten, Ersatzteile knapp und Geld begrenzt. Fahrrad- und Motorradwerkstätten wurden deshalb zu unverzichtbaren Orten des Alltags – hier wurde Mobilität nicht verkauft, sondern am Leben gehalten.
Fast in jedem Dorf gab es eine solche Werkstatt. Sie war für alles zuständig, was Räder hatte – Fahrräder, Motorräder, Mopeds, gelegentlich auch landwirtschaftliche Geräte oder sogar der verbogene Kinderwagen. Spezialisierung spielte keine Rolle. Entscheidend war, eine Lösung zu finden.
Im Reparaturfall vermied man es möglichst, Neuteile zu kaufen – das galt als teuer und oft auch als unnötig. Stattdessen wurde das alte, beschädigte Teil mit Geduld instand gesetzt, angepasst oder notdürftig geflickt. Improvisation gehörte zum Handwerk, Erfahrung ersetzte fehlende Ersatzteile. Was heute ausgetauscht wird, wurde damals immer wieder repariert.
Besonders Fahrräder mit Hilfsmotor und Motorräder waren auf regelmäßige Wartung angewiesen. Sie bildeten das Rückgrat der individuellen Mobilität für Arbeiter, Handwerker und Pendler. Die Werkstatt war dabei nicht nur Reparaturort, sondern auch Treffpunkt, Beratungsstelle und Wissensbörse.
Nicht selten betrieb der Werkstattinhaber nebenbei eine kleine Tankstelle – anfangs offen am Straßenrand, mit Handpumpe und Kanistern. Werkstatt und Tankstelle bildeten so ein funktionales Zentrum dörflicher Mobilität.
Fun Fact: Viele Werkstätten arbeiteten gleichzeitig an Fahrrädern, Motorrädern und Kleinfahrzeugen – Spezialisierung kam erst später.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Ingenieure arbeitslos – Wissen war vorhanden, Stellen jedoch rar. Der junge Ingenieur Groshbach fasste deshalb einen ungewöhnlichen Entschluss: Wenn ich kein Auto konstruieren darf, baue ich mir eben selbst eines. Sein Ziel war klar – mit einem eigenen Fahrzeug wollte er sich für eine Anstellung bei einem Automobilhersteller empfehlen.
Der Bau begann in der Garage und am Küchentisch. Über einen Zeitraum von drei Jahren entstand Schritt für Schritt ein fahrbereites Automobil – ohne industrielle Ausstattung, ohne Serienbauteile, dafür mit viel Geduld, handwerklichem Können und technischer Fantasie.
Besonders auffällig sind die Flugzeugelemente, die das Fahrzeug prägen. Statt eines klassischen Dachs besitzt der Eigenbau eine Kanzel, anstelle eines Lenkrads kommt ein Steuerholm zum Einsatz. Diese Lösungen waren nicht nur Ausdruck technischer Vorlieben, sondern auch pragmatische Vereinfachungen.
Die größte Besonderheit ist jedoch die Vierradlenkung. Sie sollte das Rangieren erleichtern und das Anfahren enger Parkbuchten ermöglichen – ein erstaunlich moderner Gedanke. Die Umsetzung erfolgte mit Fahrradketten, die die Lenkbewegung auf die Hinterräder übertrugen. Aus heutiger Sicht war diese Konstruktion sicherheitstechnisch äußerst bedenklich – funktionierte jedoch tatsächlich.
Fun Fact: Die Vierradlenkung wurde mit Fahrradketten realisiert – riskant, aber erstaunlich wirksam.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebten Millionen Menschen in provisorischen Unterkünften. Zeitgenössische Bilder zeigen Nissen-Blechhütten in halbrunder Form, selbst errichtete Baracken oder notdürftig bewohnbar gemachte Ruinen in den zerstörten Städten. Wohnraum war knapp, Improvisation allgegenwärtig.
Im Museum ist eine Holz-Baracke aus vorgefertigten Bauteilen zu sehen, wie sie vielerorts errichtet wurde. Sie steht exemplarisch für die Lebensrealität von Flüchtlingen und Vertriebenen. Besonders hart trafen diese Menschen die extrem kalten Winter 1946 und 1947. Brennmaterial war knapp, funktionierende Heizungen gab es kaum.
Die Ausstattung war auf das Allernotwendigste reduziert. Zu sehen sind ein einfaches Bett, ein kleiner Herd, der vielfach kostenlos an Flüchtlinge abgegeben wurde, sowie eine primitive Waschgelegenheit. Eine Kochkiste diente dazu, Speisen nach dem kurzen Erhitzen möglichst lange warmzuhalten und Brennstoff zu sparen. Für ein Minimum an Information und Ablenkung sorgte ein einfaches Radio, oft noch ein sogenannter Volksempfänger.
Fun Fact: Viele Baracken waren ursprünglich nur für wenige Monate gedacht – genutzt wurden sie oft über Jahre.

In der frühen Nachkriegszeit stand auch das Schulwesen vor großen Herausforderungen. Es herrschte ein erheblicher Lehrermangel, sodass häufig mehrere Jahrgänge gemeinsam unterrichtet wurden. Klassen mit bis zu 60 Kindern waren keine Seltenheit. Unterricht fand an sechs Tagen in der Woche statt – von Montag bis Samstag.
Die äußeren Bedingungen waren oft schwierig. Besonders im Winter kam es immer wieder zu Schulausfall, weil Heizmaterial fehlte und die Klassenräume nicht ausreichend erwärmt werden konnten. Lernen war damit nicht nur eine geistige, sondern auch eine körperliche Herausforderung.
Die Ausstattung der Schulen war äußerst einfach. In den Schulbänken befand sich ein Fach für das Tintenfass, denn vielfach wurde noch mit der Feder geschrieben. Im Schulranzen fanden sich eine Schiefertafel, Kreide und ein Griffelkästchen – Bücher waren rar und meist nur in sehr geringer Zahl vorhanden.
Besonders willkommen war die Schülerspeisung, die dank US-amerikanischer Hilfe ermöglicht wurde. Für viele Kinder war sie eine wichtige Ergänzung zur knappen Ernährung zu Hause und oft der Grund, regelmäßig zur Schule zu kommen.
Fun Fact: Viele Kinder lernten Schreiben zuerst auf der Schiefertafel – Papier war zu wertvoll, um Fehler zu machen.
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