Auto und Uhrenmuseum ErfinderZeiten | SchrambergWirtschafts-
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Ausstellungsbereich 1. OG

Wirtschaftswunder auf Rädern – Als Deutschland wieder mobil wurde

Nach Jahren der Entbehrung konnte sich endlich auch der „kleine Mann" wieder etwas leisten: Die Wirtschaftswunderjahre machten Mobilität für alle möglich. Entdecken Sie legendäre Kleinwagen wie das Goggomobil und die BMW Isetta, elegante Motorroller und kuriose Pionierfahrzeuge wie die Brütsch Mopetta. Tauchen Sie ein in eine Ära voller Aufbruchsstimmung, in der innovative Tüftler und findige Hersteller Deutschland zurück auf die Straße brachten – mit Fahrzeugen, die Geschichten erzählen und heute liebevoll bewahrt werden.




Zeitreise | Mobilität wird Lebensgefühl


1950 – Aufbruch und neue Freiheit

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung kehrt die Mobilität zurück. Motorräder, Roller und erste Automobile prägen das Straßenbild. Gefahren wird oft nach Gefühl – Regeln spielen noch eine untergeordnete Rolle. Mobilität bedeutet vor allem Freiheit.

Mit der Einführung des TÜV rückt erstmals die technische Sicherheit der Fahrzeuge in den Fokus. Mobilität soll nicht nur möglich, sondern zuverlässig sein. Der Zustand des Fahrzeugs wird überprüft, Verantwortung wächst.

1952 – Sicherheit wird systematisch
1954 – Ordnung im Straßenraum

Die steigende Zahl der Autos verändert die Städte. Parkuhren regeln erstmals den knappen Parkraum, Zebrastreifen schützen Fußgänger. Der Straßenverkehr wird strukturierter und konfliktreicher.

Mit der Einführung der heutigen Kfz-Kennzeichen entsteht ein bundesweit einheitliches System. Fahrzeuge sind eindeutig zuzuordnen – ein wichtiger Schritt zur modernen Verkehrsverwaltung.

1956 – Einheit und Übersicht
1958 – Regeln werden kontrolliert

Der Verkehr wird dichter, die Geschwindigkeit steigt. Mit den ersten Radarfällen beginnt die technische Überwachung. Gleichzeitig setzen sich Verkehrsampeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen durch. Mobilität braucht nun klare Regeln – und deren Durchsetzung.

Das Auto wird zum selbstverständlichen Verkehrsmittel. Urlaubsreisen, Pendelverkehr und Wochenendausflüge nehmen stark zu. Mit Promille-Regelungen rückt auch der Zustand des Fahrers in den Fokus der Verkehrssicherheit.

1960er-Jahre – Das Auto wird Alltag
1970 – Geregelte Mobilitätsgesellschaft

Was einst Abenteuer war, ist Routine geworden. Der Straßenverkehr ist organisiert, überwacht und reglementiert. Die Grundlagen der modernen Verkehrsgesellschaft sind gelegt – Mobilität ist selbstverständlich, aber nicht mehr grenzenlos.

Lieblingsstücke


BMW Isetta – Der kleine Retter aus der Not

Die BMW Isetta steht wie kaum ein anderes Fahrzeug für den Übergang vom Motorrad zum Automobil. Das hier gezeigte Exemplar stammt noch aus der ersten Serie und hatte ein gutes Leben: Es ist weitgehend im Originalzustand erhalten. Mit etwas technischer Nachhilfe fand sogar der 250-cm³-Motorradmotor seinen Platz im Fahrzeug.

Unverkennbar ist die Fronttür, die sich wie eine Kühlschranktür nach vorne öffnet – ein Detail, das der Isetta ihren Spitznamen einbrachte. Für die damalige Zeit war sie durchaus wintertauglich: Ein Dach über dem Kopf bedeutete einen enormen Fortschritt gegenüber dem Motorrad, und man war zumindest teilweise vor Kälte und Wetter geschützt. Sogar an eine Skihalterung wurde gedacht. Mit 12 PS war man zufrieden – entscheidend war nicht Geschwindigkeit, sondern geschützte Mobilität.

Der Hintergrund der Isetta ist eng mit der wirtschaftlichen Situation von BMW verbunden. Dem Unternehmen ging es Mitte der 1950er-Jahre schlecht. Die Rettung kam aus einer eigentlich fernen Welt: dem Kleinwagenbau. Fündig wurde man in Italien bei der Firma ISO, die neben Fahrzeugen auch Kühlschränke herstellte – daher das ungewöhnliche Türkonzept. BMW erwarb kurzfristig eine Lizenz und begann mit der Produktion.

Der Erfolg stellte sich schnell ein. Aus den ursprünglichen 12 PS wurden bei der Isetta 300 schließlich 13 PS – eine kleine, aber symbolische Verbesserung. BMW stabilisierte sich finanziell. Der nächste Schritt folgte 1959 mit dem BMW 600, einem viersitzigen, sportlichen Fahrzeug, das jedoch nicht mehr den Zeitgeist traf. Erst mit dem BMW 700 gelang der Durchbruch: ein „richtiges Auto“, das BMW endgültig wieder auf Kurs brachte.

Die Isetta selbst blieb dennoch erstaunlich langlebig. Noch heute ist sie gelegentlich im Straßenverkehr zu sehen. Mit rund 160.000 gebauten Exemplaren zählt sie zu den erfolgreichsten Kleinwagen ihrer Zeit.

Fun Fact: Die Isetta öffnet sich wie ein Kühlschrank – kein Zufall, denn ihr italienischer Ursprung liegt tatsächlich in einer Kühlschrankfabrik.

Goggomobil – Das kleine Auto für alle
Das Bild zeigt mehrere klassische Autos in einem Museum. Im Mittelpunkt steht ein rotes Auto mit einem grauen Dach, das einen nostalgischen Charme ausstrahlt. Daneben sind ein blauer und ein weiterer roter Wagen sichtbar, alles in gutem Zustand und umgeben von natürlichem Licht.

Das Goggomobil steht wie kaum ein anderes Fahrzeug für die motorisierte Alltagswelt der Wirtschaftswunderjahre. Ausgangspunkt war eine klare Vorgabe von Hans Glas: Der Preis durfte nicht höher sein als der eines Motorrads mit Seitenwagen. Diese konsequente Zielsetzung machte das Goggomobil erschwinglich – und erfolgreich.

Das Goggomobil T 250 entwickelte sich zum meistgebauten Kleinstwagen seiner Zeit. Ein wesentlicher Grund für sein ungewöhnlich langes Leben war eine Besonderheit im Führerscheinrecht: Es durfte mit dem alten Führerschein der Klasse IV gefahren werden. Damit wurde es auch für ältere Fahrer attraktiv und erhielt im Volksmund den Spitznamen „Rentner-Porsche“.

Mit dem Goggomobil TS 250 Coupé zeigte Glas, dass auch beim Kleinstwagen das Auge mitkauft. Aus dem liebevoll genannten „Goggerl“ – benannt nach dem Enkel des Firmengründers – wurde ein elegantes Coupé. Nachteile wie der kleinere Innenraum und der höhere Preis wurden von vielen Käufern bewusst in Kauf genommen.

Das Goggomobil wuchs weiter. Mit dem Isar entstand ein kleiner Pkw, der den Schritt in eine höhere Fahrzeugklasse markieren sollte. Technisch überzeugend, blieb ihm jedoch der große wirtschaftliche Erfolg versagt. Parallel bewährte sich der Goggo-Transporter als äußerst praktischer Kleinsttransporter, etwa bei der Post oder im Handwerk.

Besonders originell war eine späte Variante: eine Karosserie aus nahezu ausschließlich ebenen Blechteilen – eine geniale Vereinfachung, die ihr den Ruf der „Blechkiste“ einbrachte. Man sagt, hier seien die letzten verfügbaren Teile des Goggomobil-Programms verarbeitet worden.

Das Goggomobil wurde von 1955 bis 1969 gebaut – eine bemerkenswert lange Produktionszeit. Ab 1962 fertigte Glas zusätzlich größere, sportliche Automobile. Technisch anspruchsvoll, aber wenig profitabel, führten sie 1966 schließlich zur Übernahme durch BMW.

Fun Fact: Das Goggomobil durfte mit dem alten Führerschein Klasse IV gefahren werden – ein Grund, warum es oft liebevoll „Rentner-Porsche“ genannt wurde.

Brütsch Mopetta – Die rollende Idee
Das Bild zeigt zwei historische Fahrzeuge in einem Museum. Links befindet sich ein weißes, kompaktes Auto mit runden Scheinwerfern. Rechts steht ein dreirädriges Fahrzeug namens Mopetta, das eine rot-weiße Lackierung hat und ein markantes, futuristisches Design aufweist.

Die Brütsch Mopetta gehört zu den eigenwilligsten Kleinstfahrzeugen der Wirtschaftswunderjahre. Entworfen von Egon Brütsch, war sie als leichtes, offenes Fahrzeug gedacht – vor allem für Damen, etwa für den Weg zum Einkauf. Klein, leicht und auffällig sollte sie urbane Mobilität neu definieren.

Doch auf der Automobilmesse, auf der Brütsch seine Schöpfung stolz präsentierte, zeigte sich schnell die Kluft zwischen Idee und Alltag. Eine Besucherin stellte die entscheidende Frage: „Wo soll ich denn meinen Einkaufskorb hin tun?“ Hinzu kam ein weiterer, entscheidender Punkt der Zeit: Frauen trugen damals meist Kleider oder Röcke. Das Einsteigen in das extrem niedrige, offene Fahrzeug galt als unpassend und unschicklich. Die Stimmung kippte, das Interesse erlosch rasch.

Die Konsequenz war eindeutig: Die Mopetta blieb ein Nischenprojekt. Es entstanden nur wenige Exemplare, meist als Prototypen oder Vorführfahrzeuge. Gerade deshalb ist das im Museum gezeigte Fahrzeug heute eine große Rarität.

Egon Brütsch blieb dennoch ein ideenreicher Pionier. Mit dem Brütsch V2 entstand ein reines Messemuster – im Grunde nicht mehr als eine Kunststoffkarosserie auf Rädern, ohne ausgereifte Technik. Brütsch experimentierte früh mit Kunststoffkarosserien und entwarf zahlreiche elegante Kleinstfahrzeuge, doch der wirtschaftliche Durchbruch blieb aus.

Fun Fact: Die Mopetta scheiterte nicht an der Technik, sondern an einer einfachen Frage: „Wohin mit dem Einkaufskorb?“

Ford Taunus Spezial Cabriolet – Exklusivität im Wiederaufbau
Ein schwarzes und gelbes Cabriolet, ein Ford Taunus Spezial von 1950, steht in einem Automuseum. Neben dem Auto steht eine figurative Darstellung eines Mannes in Anzug und Fliege. Im Hintergrund sind weitere Oldtimer zu sehen.

Bereits 1950 erfüllte Ford den Wunsch nach etwas Besonderem: einem Cabriolet in einer Zeit, in der Automobile noch keineswegs selbstverständlich waren. Der Markt für offene Fahrzeuge war klein – und entsprechend rar sind diese Modelle heute. Vom Ford Taunus Spezial Cabriolet sind nur noch rund 15 Exemplare bekannt.

Das hier gezeigte Fahrzeug führte ein bewegtes Leben. Über 20 Jahre war es nahezu vergessen, bevor es stark ramponiert wiederentdeckt wurde. In seinem Inneren hatte sich inzwischen ein Hollunderstrauch ausgebreitet. Beim Abtransport zerfiel das Cabriolet beinahe – ein Sinnbild seines Zustands. Die anschließende Restaurierung dauerte sechs Jahre und verlangte Geduld, Fachwissen und Leidenschaft.

Neben dem Fahrzeug zeigt das Museum den sportlichen Fahrer der Zeit: mit Kniebundhose und der typischen britischen Schiebermütze, gern mit Sherlock Holmes assoziiert. Das Cabriolet stand für Individualität, Stil und einen Hauch von Luxus – ein Statement in den frühen Jahren des Wirtschaftswunders.

Der Weg von Ford zurück in den Markt begann nach dem Krieg mit der Neuauflage des Vorkriegsmodells Ford Taunus, auch „Buckel-Taunus“ genannt. Schon 1952 folgte der Taunus 12 M mit der berühmten Weltkugel im Emblem. Das „M“ stand für Meisterwerk, auch wenn der Motor noch aus der Vorkriegszeit stammte und als etwas schwach galt.

Mit dem Taunus 17 Deluxe wurde Ford größer, eleganter und deutlich amerikanischer. Die breit gezogene Front sollte beeindrucken und Status vermitteln. Optional war sogar eine automatische Kupplung „Saxomat“ erhältlich – ein frühes Komfortmerkmal.

Fun Fact: Bei seiner Wiederentdeckung war das Cabriolet eher Garten als Auto – inklusive ausgewachsenem Hollunderstrauch.

BMW R 69 Gespann – Kraft, Tempo und Autorität
Das Bild zeigt ein klassisches, weißes Motorrad mit einem Beiwagen. Das Motorrad hat ein markantes Design und ist mit zahlreichen verchromten Elementen versehen. Der Beiwagen ist ebenfalls in Weiß gehalten und trägt dekorative Linien. Im Hintergrund sind weitere Oldtimer zu sehen.

Die BMW R 69 markiert einen Höhepunkt des deutschen Motorradbaus der Wirtschaftswunderjahre. BMW hatte erkannt, wohin die Zukunft führte: Leistung. Mit 35 PS war die R 69 deutlich stärker als viele zeitgenössische Automobile – sie leistete sogar fünf PS mehr als der VW Käfer. Damit setzte sie Maßstäbe auf zwei Rädern.

Besondere Bekanntheit erlangte die R 69 in ihrer grünen Polizei-Ausführung. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 165 km/h jagte sie auf den Autobahnen Temposünder. Allerdings oft nur so lange, bis besonders schnelle Sportwagen durch noch höheres Tempo entkamen. Dennoch: Die R 69 stand für Autorität, Durchsetzungskraft und technische Überlegenheit.

Das im Museum gezeigte BMW-Gespann besitzt eine eigene Geschichte. Es kehrte in stark mitgenommenem Zustand aus Griechenland zurück. Die anschließende Restaurierung war äußerst aufwendig. Auffällig ist die weiße Lackierung – für BMW ungewöhnlich, aber seinerzeit gegen Aufpreis erhältlich. Sie verleiht dem Gespann heute eine besondere Präsenz.

BMW blickt als Motorradhersteller auf eine außerordentlich lange Tradition zurück. Seit 1923 steht die Marke für kraftvolle, technisch fortschrittliche Motorräder. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Neustart mit der BMW R 24, gefolgt von den legendären Boxermodellen. Technisch war BMW hervorragend aufgestellt – wirtschaftlich wurde es jedoch 1962 kritisch.

In dieser Phase investierte BMW mutig rund 10 Millionen D-Mark in die Zukunft des Motorradbaus. Der Erfolg dieser Entscheidung ist bis heute sichtbar. BMW ist der einzige deutsche Motorradhersteller, der die Krisen der 1950er- und 1960er-Jahre überlebt hat.

Fun Fact: Mit 35 PS war die BMW R 69 stärker als viele Autos ihrer Zeit – und schneller als so mancher Temposünder lieb war.

Bastert Einspurauto – Autofeeling auf einer Spur
Ein klassischer Motorroller in Schwarz mit einem roten Sitzpolster. Der Roller hat abgerundete Linien und eine verchromte Verkleidung an der Seite. Im Hintergrund sind weitere Fahrzeuge zu sehen, die eine Retro-Atmosphäre vermitteln.

Das Bastert Einspurauto war ein ernst gemeinter Versuch, dem Zweiradfahrer ein echtes Autofeeling zu bieten. Anders als viele skurrile Experimente seiner Zeit war dieses Fahrzeug durchdacht – wenn auch konsequent auf eine Person zugeschnitten.

Der Fahrer saß auf einem bequemen Autositz, geschützt und vergleichsweise komfortabel. Für die Sozia sah die Realität jedoch anders aus: Sie musste mit einem harten, ausklappbaren Reitsattel und einem Haltegriff vorliebnehmen. Komfort war hier eindeutig eine Frage der Perspektive.

Bemerkenswert ist der Anspruch, typische Automobilelemente zu übernehmen. So verfügte das Einspurauto über elektrische Fahrtrichtungsanzeiger – damals ein Zeichen von Modernität und vornehmer Zurückhaltung, während viele Motorräder noch mit Handzeichen auskommen mussten.

Das Bastert Einspurauto steht exemplarisch für das Bemühen, die Grenze zwischen Motorrad und Auto zu überwinden. Schutz, Sitzkomfort und Bedienung sollten näher an das Automobil heranrücken, ohne dessen Kosten und Größe zu erreichen. Doch die Idee trug nicht weit: Es wurden nur wenige Fahrzeuge gebaut, der Markt blieb klein.

Umso bemerkenswerter ist es, dass eines dieser seltenen Einspurautos heute im Museum zu sehen ist. Es kostete erhebliche Mühe, ein Exemplar für die Sammlung zu gewinnen.

Fun Fact: Während der Fahrer im Autositz saß, erlebte die Beifahrerin eher das Reitgefühl als den Komfort eines Autos.

Der Zeitungskiosk – Information und Treffpunkt
Ein Ausstellungsraum mit einer bunten Zeitungskiosk-ähnlichen Struktur im Hintergrund. Vorne stehen Schaufensterpuppen in verschiedenen Kleidungsstilen, während im Vordergrund alte Motorräder zu sehen sind. An der Wand hängen Plakate und Zeitschriften aus vergangenen Zeiten.

In den 1950er- und noch in den 1960er-Jahren hatte der Zeitungskiosk eine enorme Bedeutung für den Alltag. Er war weit mehr als ein Verkaufsstand – er war Informationsquelle, Treffpunkt und sozialer Knotenpunkt zugleich.

Zeitungen, Zeitschriften und Journale waren damals die wichtigste Verbindung zur Welt. Digitale Medien existierten nicht einmal ansatzweise, Radio und später das Fernsehen ergänzten die Information, ersetzten sie aber nicht. Am Kiosk erfuhr man, was in Politik, Gesellschaft, Sport und Unterhaltung geschah. Besonders beliebt waren Familienzeitschriften, wie Hör Zu mit der bekannten Figur Mecki, Bunte, Stern, Revue sowie Mode- und Unterhaltungszeitschriften wie Constanze oder Film und Frau. Sie prägten Meinungen, Vorlieben und Gespräche.

Doch der Zeitungskiosk erfüllte noch eine zweite, mindestens ebenso wichtige Funktion. Auf dem sogenannten „Latscharie-Platz“ – dem offenen Raum rund um den Kiosk – traf man sich. Besonders die Jugend kam hier zusammen, oft mit ihren Mopeds, um zu reden, zu schauen und gesehen zu werden. In fast jeder Gemeinde war der Kiosk ein fester Begegnungsort.

Das Leben spielte sich damals viel stärker auf der Straße ab. Zu Fuß gehen war weiter verbreitet als das Autofahren, und auch die Kommunikation fand überwiegend im direkten Gegenüber statt. Der Zeitungskiosk war dafür ein natürlicher Mittelpunkt.

Fun Fact: Für viele Jugendliche war der Weg zum Zeitungskiosk die erste „Ausfahrt“ mit dem eigenen Moped.

Kinderfahrzeuge – Mobilität beginnt im Spiel
Im Bild ist eine Ausstellung mit vintage Spielzeugen zu sehen. Darunter befinden sich Holzfahrzeuge, darunter ein blauer Dreirad, ein rotes Spielauto und verschiedene Fahrräder. Der Boden ist aus Holz und die Plattformen sind gelb. Die Umgebung wirkt nostalgisch und einladend.

Auch die Welt der Kinder spiegelt den Zeitgeist der Wirtschaftswunderjahre wider. Die gezeigten Kinderfahrzeuge erzählen davon, wie früh Mobilität, Technikbegeisterung und Gestaltung Teil des Alltags wurden. Auffällig ist vor allem eines: Plastik spielt kaum eine Rolle. Der bevorzugte Werkstoff war Holz, ergänzt durch Metall – robust, reparierbar und langlebig.

Zu sehen sind Dreiräder, Roller und frühe Tretautos, die dem automobilen Vorbild nacheiferten. Besonders das rote Tretauto mit verchromtem Grill zeigt, wie stark sich das Design der Erwachsenenwelt im Kinderzimmer widerspiegelte. Schon früh entstand so ein Gefühl für Form, Technik und Geschwindigkeit.

Ein schönes Beispiel für das Design der 1950er-Jahre ist der Kinder-Puppenwagen. Formschön, stabil und funktional, war er weit mehr als Spielzeug – er gehörte selbstverständlich zum Straßenbild, wenn Kinder draußen spielten.

Ein Höhepunkt der Ausstellung sind die Seifenkisten. Diese Fahrzeuge waren fast immer Eigenbauten, gefertigt aus Holz, alten Rädern und viel Fantasie. Mit ihnen fanden spannende Rennen auf öffentlichen Straßen statt – meist geduldet, selten offiziell erlaubt. Besonders bemerkenswert ist eine Seifenkiste mit gelben Rädern und der Aufschrift „Opel“ – eine frühe, ganz diskrete Form von Markenbezug und Werbung.

Ganz oben thront schließlich die Seifenkiste mit kleinem Mopedmotor – der Höhepunkt der motorbegeisterten Jugend. Hier wurde aus Spiel ernsthafte Technikbegeisterung, aus Treten echtes Fahren.

Fun Fact: Viele spätere Schrauber, Mechaniker und Ingenieure begannen ihre Karriere mit einer selbstgebauten Seifenkiste.

Camping – Freiheit auf Zeit
Ein Ausstellungsraum zeigt eine nostalgische Camping-Szene. Eine Puppe in einem grünen Kleid steht neben einem farbenfrohen Wohnwagen, während eine weitere Puppe in einem bunten Hemd steht. Gepäck und Campingmöbel sind sichtbar, der Boden ist mit grünem Teppich bedeckt.

Mit wachsendem Wohlstand entstand in den Wirtschaftswunderjahren ein neues Phänomen: Urlaub auf Rädern. Camping wurde zum Ausdruck von Freiheit, Abenteuer und Gemeinschaft.

Zelte, Wohnwagen und Campingzubehör machten Reisen flexibel und erschwinglich. Familien fuhren an Seen, in die Berge oder ans Mittelmeer. Der Weg wurde Teil des Erlebnisses.

Camping verband Mobilität mit Freizeit. Das Auto diente nicht mehr nur dem Alltag, sondern eröffnete neue Horizonte. Reisen bedeutete Selbstbestimmung und Entdeckung.

Fun Fact: Camping galt lange als besonders modern und naturnah – ein bewusster Gegenpol zum Alltag.

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