ber Jahrhunderte prägte die Uhrmacherei den Schwarzwald – und kaum ein Ort steht dafür so sehr wie Schramberg. Hier entwickelten sich aus handwerklichen Anfängen weltweit bedeutende Uhrenunternehmen. Namen wie Junghans und die Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik (H.A.U.) machten die Region um 1900 zur Welthauptstadt der Zeitmessung.
Die Uhrenabteilung des Museums erzählt diese Geschichte als Zeitreise: von den ersten Schwarzwalduhren über industrielle Fertigung bis hin zu präziser Massenproduktion für den Weltmarkt. Sie zeigt, wie Innovation, Unternehmergeist und handwerkliches Können den Alltag der Menschen veränderten – und Zeit messbar, bezahlbar und allgegenwärtig machten.
In abgelegenen Schwarzwaldtälern beginnen Bauern und Handwerker, einfache Holzuhren herzustellen. Die Uhren entstehen in Heimarbeit, oft während der Wintermonate. Zeitmessung wird erstmals auch für einfache Haushalte zugänglich
Die Schwarzwalduhr entwickelt sich zum Exportschlager. Händler tragen die Uhren bis nach Frankreich, Italien und Osteuropa. Typische Formen entstehen, die den Ruf des Schwarzwaldes als Uhrenregion festigen.
Im 18. Jahrhundert entsteht im Schwarzwald eine der bekanntesten Uhrenformen der Welt: die Kuckucksuhr. Mit ihrem charakteristischen Ruf und den geschnitzten Gehäusen wird sie schnell zum Symbol der Region. Ursprünglich als einfache Wanduhren gedacht, verbinden sie Funktionalität mit Handwerkskunst. Die Kuckucksuhr trägt entscheidend dazu bei, den internationalen Ruf der Schwarzwälder Uhr zu prägen.
Mit der Gründung der Firma Junghans beginnt eine neue Epoche. Die Herstellung wird industrialisiert, Maschinen ersetzen Teile der Handarbeit. Schramberg entwickelt sich zum Zentrum moderner Uhrenproduktion.
Die H.A.U. etabliert sich als weiterer bedeutender Hersteller in Schramberg. Hochwertige Wand- und Standuhren werden in großen Stückzahlen gefertigt und weltweit exportiert. Konkurrenz fördert Innovation und Wachstum.
Millionen Uhren verlassen jährlich die Fabriken. Schramberg gilt als größter Uhrenproduktionsstandort der Welt. Zeitmessung wird industrielles Massenprodukt – präzise, zuverlässig und international verfügbar.
Technische Entwicklungen, neue Materialien und moderne Produktionsverfahren verändern die Branche. Junghans prägt die deutsche Uhrenindustrie bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Die Schwarzwälder Uhr bleibt ein Symbol für Präzision und Tradition.
Lieblingsstücke

(falsches Bild)
Die Kuckucksuhr gehört zu den bekanntesten Symbolen des Schwarzwaldes und ist bis heute weltweit mit der Region verbunden. Erste Kuckucksuhren wurden um 1750 im Schwarzwald gefertigt.
Die Form der Kuckucksuhr, wie man sie heute allgemein kennt, entwickelte sich jedoch erst im 19. Jahrhundert. Einen entscheidenden Impuls gab 1850 die sogenannte Bahn-häusle-Uhr, entworfen vom Karlsruher Architekturprofessor Friedrich Eisenlohr. Ihr Gehäuse orientierte sich an den Wärterhäusern entlang der Eisenbahnstrecken. Dieses Design verband Uhrmacherei mit Architektur und wurde zum stilprägenden Vorbild.
Von da an setzte sich die Bahn-häusle-Form rasch durch. Sie ließ sich gut verzieren, variieren und industriell herstellen. Die Kuckucksuhr wurde zum Exportschlager und trug maßgeblich zum internationalen Ruf der Schwarzwälder Uhrmacherei bei.
Fun Fact: Der charakteristische Kuckucksruf wird meist mit zwei unterschiedlich großen Pfeifen erzeugt – eine für den „Kuck“, eine für den „Kuck“.

(falsches Bild)
Der Uhrenträger war eine der wichtigsten Figuren der Schwarzwälder Uhrmacherei des 18. und 19. Jahrhunderts – lange bevor große Fabriken die Produktion dominierten. Aus dem Beruf des Glasträgers entwickelte sich dieser eigenständige Handel: Junge Männer aus bäuerlichen Regionen wanderten zu Fuß, beladen mit Uhren, in alle Himmelsrichtungen.
Die typische Ausstattung eines Uhrenträgers war die sogenannte „Krätze“ – ein aus Weiden geflochtener Rückensack, in dem er seine Waren trug. Auf Märkten, an Hausierwegen oder in fremden Dörfern bot er Holzuhren, Wanduhren und später auch andere Schwarzwälder Zeitmesser feil. Diese Form des ambulanten Handels brachte Schwarzwalduhren in Gebiete, zu denen fabrikmäßige Strukturen noch keinen Zugang hatten – hinein nach Frankreich, in die Benelux-Länder, nach Italien und sogar weiter.
Uhrenträger waren weit mehr als Verkäufer: Sie waren Botschafter der Schwarzwälder Uhrmacherkunst, die lokale Handwerkstraditionen und Produkte in ganz Europa bekannt machten. Ihre Geschichten mischten Unternehmergeist, körperliche Anstrengung und kulturellen Austausch über Grenzen hinweg.
Heute gilt der Uhrenträger als Identifikationsfigur für die Uhrentradition im Schwarzwald: Er erscheint in Darstellungen, Postkarten und historischen Szenen als Sinnbild für die frühe Verbreitung und den Pioniergeist der Schwarzwälder Uhrenwelt.
Fun Fact: In historischen Quellen sind Uhrenträger bereits um 1740 belegt – lange bevor Züge und Automobile den Fernhandel erleichterten.

ATO-Uhren markieren einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur modernen Zeitmessung. Sie verbinden klassische Pendeltechnik mit elektrischer Unterstützung und stehen damit zwischen mechanischer Uhr und voll elektrischer Zeitmessung. Ihr Ziel war es, Uhren präziser, wartungsärmer und unabhängiger vom täglichen Aufziehen zu machen.
Das Besondere an ATO-Uhren liegt in ihrem Funktionsprinzip: Nicht das Uhrwerk treibt das Pendel an, sondern das Pendel steuert die Uhr. Ein elektromagnetischer Impuls hält die Pendelbewegung aufrecht, während das eigentliche Uhrwerk nur minimale Energie benötigt. Dadurch entsteht ein äußerst gleichmäßiger Takt.
Diese Technik machte außergewöhnlich lange Laufzeiten möglich. Viele ATO-Uhren konnten mit einer Batterie über 1000 Tage – teilweise sogar mehrere Jahre – ununterbrochen laufen, ohne neu eingestellt oder aufgezogen zu werden. Das war für ihre Zeit revolutionär und machte sie besonders attraktiv für Haushalte, Betriebe und öffentliche Gebäude.
Fun Fact: Manche ATO-Uhren liefen mit einer einzigen Batterie mehrere Jahre – länger als viele moderne batteriebetriebene Uhren.

Die Junghans Küchenuhr von Max Bill steht für einen radikalen Neuanfang im Uhrendesign des 20. Jahrhunderts. Entworfen vom Schweizer Künstler, Architekten und Gestalter Max Bill, folgt sie konsequent dem Prinzip der funktionalen Klarheit. Bill war Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG) und prägte mit ihr das moderne Designverständnis der Nachkriegszeit – sachlich, reduziert und auf das Wesentliche konzentriert.
Die Küchenuhr verzichtet bewusst auf dekorative Elemente. Klare Linien, gut lesbare Ziffern und eine ausgewogene Proportion machen Zeit auf einen Blick erfassbar. Damit wurde die Uhr zu mehr als einem technischen Gerät: Sie wurde ein gestaltetes Alltagsobjekt, das Funktion und Ästhetik gleichwertig vereint.
Besonders begehrt sind heute die Originale aus der Entstehungszeit, die als gesuchte Designklassiker gelten. Sie stehen für den Anspruch, gutes Design für den Alltag zu schaffen – langlebig, verständlich und zeitlos. Die heute von Junghans produzierten Max-Bill-Küchenuhren sind bewusste Wiederauflagen, die sich eng an den historischen Vorbildern orientieren und das Erbe fortführen.
Fun Fact: Max Bill verstand Design als gesellschaftliche Aufgabe – seine Uhren sollten nicht auffallen, sondern den Alltag besser machen.

Mit dem Wecker hielt Zeitmessung Einzug in den Alltag der Menschen. Er machte Zeit verbindlich: Aufstehen, Arbeitsbeginn, Schulzeiten – alles ließ sich nun zuverlässig planen. Besonders im Schwarzwald entwickelte sich der Wecker zu einem wichtigen Massenprodukt.
Durch industrielle Fertigung konnten Wecker preiswert hergestellt und in großen Stückzahlen verkauft werden. Sie waren robust, laut und zuverlässig – Eigenschaften, die im Alltag entscheidend waren. Der Wecker wurde zum stillen Begleiter des täglichen Lebens.
Fun Fact: Frühe Wecker nutzten oft separate Schlagwerke nur für den Alarm – unabhängig vom eigentlichen Uhrwerk.

Mit der Sportzeitmessung wurde Zeit zu einem entscheidenden Faktor des Wettkampfs. Siege, Rekorde und Platzierungen hängen von Bruchteilen einer Sekunde ab. Um faire Vergleiche zu ermöglichen, entwickelte sich im 20. Jahrhundert eine hochpräzise Messtechnik, bei der Startsignal und Zeitnahme exakt aufeinander abgestimmt sind.
Eine besondere Rolle spielte dabei das Unternehmen Junghans aus dem Schwarzwald. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München war Junghans mit seiner Technik maßgeblich beteiligt. Die Zeitmesssysteme des Unternehmens kamen in verschiedenen Disziplinen zum Einsatz, darunter Leichtathletik, Rudern und Reiten. Hier zeigte sich, wie präzise, zuverlässig und international anerkannt die Schwarzwälder Zeitmesstechnik war.
Startpistolen sorgten für ein für alle Athleten gleichzeitig wahrnehmbares Signal, während Stoppuhren, Messanlagen und elektronische Systeme die Zeiten exakt erfassten. Die Verbindung aus Akustik, Mechanik und Elektronik machte moderne Sportwettkämpfe erst möglich.
Fun Fact: Bei Olympia 1972 wurden erstmals in großem Umfang elektronische Zeitmesssysteme eingesetzt, die Ergebnisse unmittelbar auswerten und anzeigen konnten.
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